Teil 4: Zwei Striche, zwei Wochen, tausend Gedanken

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Wenn die Hoffnung Realität wird – und du trotzdem jeden Tag zweifelst

Die Tests waren positiv.
Drei Mal. Zuhause.
Und trotzdem war da dieses Gefühl:
Was, wenn es nicht echt ist?
Was, wenn es einfach wieder verschwindet?

Ich war euphorisch – und gleichzeitig wie betäubt.
Ich hatte so lange damit gerechnet, nicht schwanger zu werden,
dass ich mich selbst kaum glauben konnte, als es plötzlich so weit war.

Der erste Dämpfer: Zwei Wochen warten

Also rief ich bei meiner Frauenärztin an.
Total hibbelig, total aufgekratzt, total hoffnungsvoll.
Ich wollte diese Schwangerschaft endlich bestätigen lassen – schwarz auf weiß, professionell, offiziell.

Doch die Arzthelferin am Telefon blieb sachlich:
„Wir haben in zwei Wochen einen Termin frei.“
Zwei Wochen?
ZWEI??

Ich fragte Sie, ob es nicht auch früher ginge. Ich konnte es schließlich nicht abwarten und war total aufgeregt, doch Sie sagte vorher können man eh nichts sehen. Also musste ich noch zwei Wochen auf heißen Kohlen sitzen. So hatte ich mir das nicht gedacht.

Aber ich schluckte.
Bedankte mich.
Und legte auf – mit dem Gefühl, gegen eine Wand gelaufen zu sein.

Diese 14 Tage fühlten sich an wie ein eigenes Kapitel.
Ein Kapitel namens: Hoffen, Bangen, Googeln, Weinen, Test machen, Repeat.

Vertrauen? Schwierig.

Ich machte jeden Tag einen neuen Test.
Wirklich: jeden einzelnen Tag.
Nicht, weil ich Spaß daran hatte –
sondern weil ich es einfach nicht glauben konnte.

Diese Schwangerschaft kam so entgegen aller Wahrscheinlichkeiten,
dass mein Kopf nicht hinterherkam.
Ich war nicht nur überrascht –
ich war regelrecht misstrauisch gegenüber meinem eigenen Körper.

Was, wenn es ein Irrtum war?
Was, wenn mein Körper mich veräppelt?
Was, wenn…?

Ich kann’s schwer erklären.
Es war eine Mischung aus Staunen, Angst und einer vorsichtigen Vorfreude,
die sich noch nicht traute, laut zu werden.


Endlich: Der Termin

Irgendwann war er da: der Tag.
Ich saß im Wartezimmer.
Herzklopfen bis in die Fingerspitzen.
Um mich herum routinierte Schwangerschaften mit Ultraschallfotos und entspannten Blicken.
Und ich?
Ich schwitzte. Ich sortierte meine Tasche. Und ich hielt die Luft an.

Dann wurde ich endlich aufgerufen.

„Einmal untenrum frei machen, bitte.“

Ich hatte mit einem Ultraschall über die Bauchdecke gerechnet.
So wie man’s aus Filmen kennt.
Aber nein:
„So früh sieht man da noch nichts über den Bauch. Wir machen das vaginal.“

Tja. Wieder was gelernt.
Ich nickte, schälte mich aus den Klamotten und setzte mich auf den Stuhl.
Mein Herz pochte wie verrückt.

Ich starte auf den Monitor und versuchte, irgendwas zu erkennen.
Ein Punkt? Ein Fleck? Ein… Baby?
Ich hatte keine Ahnung.

Dann sagte meine Frauenärztin:
„Herzlichen Glückwunsch. Sie sind schwanger.“

Und ich fing an zu weinen.
Einfach so.
Leise. Erleichtert.
Alles fiel ab. Alles kam hoch. Gleichzeitig.

Schwarz auf weiß – und plötzlich echt

Da war es also.
Mein Baby.
Oder eher: der Anfang davon.
Ein kleiner schwarzer Punkt, irgendwo da drin.
Aber meiner. Unserer.

Ich bekam direkt meinen Mutterpass
und damit das erste „offizielle“ Dokument meiner Schwangerschaft.
Ein Stück Papier, das all das in Worte und Tabellen fasste,
was ich emotional kaum greifen konnte.

Ich war noch immer skeptisch.
Noch immer verhalten.
Aber auch stolz.
Und irgendwie… angekommen.
Zumindest ein Stück weit.

Erster Kaufrausch (naja, Mini-Version)

Und was macht man als nächstes?
Klar. Man kauft Babysachen.
Ich zumindest.

Keine komplette Erstausstattung –
aber ein paar kleine Dinge mussten einfach sein:
Ein Schnuller. Winzige Söckchen.
Eine Mini-Mütze. Und natürlich: Vitamine.

Ich stand im Drogeriemarkt wie auf einem anderen Planeten.
Ein bisschen verloren, ein bisschen schwebend.
Es fühlte sich gut an.
Und immer noch unfassbar.

Hebamme gesucht – und gefunden

Mit dem Mutterpass kommt auch die Erkenntnis:
Jetzt wird’s real. Und real heißt: Organisation.

Ganz oben auf meiner Liste: eine Hebamme finden.
Und das ist leichter gesagt als getan.

Ich durchforstete Portale, Webseiten, Google-Bewertungen.
Aber das Problem: Man kennt die Menschen dahinter nicht.
Man muss einfach fühlen, ob es passt.

Also schrieb ich ein paar Anfragen.
Und bekam dann tatsächlich eine Rückmeldung:
„Ich hätte noch Zeit, wollen wir und vorab einmal treffen und schauen ob es passt?“

Super sympathischer erster Eindruck und nach dem Treffen bei und zuhause war klar: Sie ist es!
Es passte einfach.

Ich war so erleichtert das wir uns auf anhieb gut verstanden haben und konnte den ersten Punkt auf meiner Liste schon mal anhaken. Gerade noch rechtzeitig vor unserem Urlaub.

Nächster Halt: Urlaub und Ultraschall

Der nächste Ultraschall stand an –
direkt vor unserem ersten richtigen Urlaub seit Jahren.

Ein Stück Normalität, das sich anfühlte wie ein kleines Wunder.
Noch ein Beweis, noch ein Bild, noch eine Bestätigung.

Aber davon erzähle ich dir im nächsten Teil.

Wenn du gerade selbst in so einer Zwischenwelt bist – zwischen positivem Test und „Ist das wirklich echt?“ – dann: Du bist nicht allein. Es ist okay, Angst zu haben. Es ist okay, alles in Frage zu stellen. Und es ist okay, trotzdem ein kleines Mützchen zu kaufen.

👉 Im nächsten Teil nehme ich dich mit in meinen zweiten Ultraschalltermin, auf die letzten Meter vor dem Urlaub – und in eine Schwangerschaft, die langsam begreifbar wurde.


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