Teil 1: „Wenn der Körper nicht mitspielt – von Schmerzen, Ohnmacht und einer Diagnose, die keiner bekommen möchte“

zurück

Die Sache mit dem Schmerz, den man „halt aushalten“ muss

Es gibt Schmerzen, die kommentarlos mit einem Schulterzucken abgetan werden. „Ist halt so. Andere haben das auch.“
Und ich? Ich hab’s geglaubt.

Meine Periode war seit Jahren die reinste Vollkatastrophe. Ich spreche hier nicht von „ein bisschen Bauchweh“, sondern von Tagen, an denen ich nicht aus dem Bett kam, mir übel war bis zum Erbrechen inkl, Schüttelfrost und ich auf meinen eigenen Beinen kaum stehen konnte. Schmerzmittel waren Pflicht. Ohne? Keine Chance.

Und trotzdem sagte niemand je das Wort Endometriose zu mir. Nicht meine Ärztin. Nicht mal ein Verdacht. Irgendwann hörte ich im Radio einen Bericht – und plötzlich machte alles Sinn. Als hätte jemand MEINEN Körper beschrieben.

Diagnose nur per Bauchspiegelung – na super.

Ich bin also zur Frauenärztin, sprach es an. Ihre Reaktion: „Ja, könnte sein. Sicher wissen wir das aber nur durch eine Bauchspiegelung.“
Ich dachte nur: Wow. Erstmal nichts sagen, und wenn ich’s selbst rausfinde, direkt Skalpell zücken?

Ich hab gezögert. Natürlich. So ein Eingriff ist kein Zahnarzttermin. Aber die Schmerzen und der Kinderwunsch waren stärker als meine Angst. Also: OP-Termin vereinbart. Klinik gesucht. Tasche gepackt.

Der Morgen der OP war die Hölle. Ich war nervös, schweißnass, hab geweint. Wollte am liebsten wieder gehen. Aber ich blieb. Narkose, Schnitt, Aufwachen – alles ging schneller als gedacht.

Aber was ist eigentlich Endometriose?

Endometriose bedeutet, dass Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst – z. B. an den Eierstöcken, Eileitern oder im Bauchraum. Dieses Gewebe verhält sich wie Schleimhaut, blutet also bei jedem Zyklus mit, kann aber nicht abfließen. Das führt zu Entzündungen, Vernarbungen und in vielen Fällen zu extrem starken Schmerzen – besonders während der Periode, beim Eisprung oder beim Sex.

Was kaum jemand sagt: Endometriose ist keine seltene Erkrankung. Schätzungen zufolge sind jede 10. Frau betroffen – nur viele wissen es jahrelang nicht, weil die Beschwerden oft nicht ernst genommen werden.

Und leider betrifft Endometriose nicht nur den Alltag, sondern auch die Fruchtbarkeit:
Die chronischen Entzündungen, Verwachsungen und mögliche Schädigung der Eileiter können es schwer oder sogar unmöglich machen, auf natürlichem Weg schwanger zu werden.

Die 5%-Watsche direkt nach dem Aufwachen

Als ich langsam wieder klar wurde, kam die Ärztin.
Ihre Worte:
„Wir haben Endometriose gefunden – und entfernt. Aber: Ihre Eileiter sind fast komplett undurchlässig. Die Chance, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, liegt unter 5 Prozent.“

Bäm.

Ich hatte nie damit gerechnet, dass ich vielleicht keine Kinder bekommen kann. Klar, wir hatten es schon länger versucht – aber ich war überzeugt, es lag an der Endometriose. Und die war doch jetzt raus, oder?

Ich stieg ins Auto zu meinem Mann und sagte es ihm sofort. Danach starrte ich nur aus dem Fenster. Versuchte nicht zu weinen. Spoiler: Hat nicht ganz geklappt.

Kinderwunsch mit Hindernissen – willkommen in der neuen Realität

Nach dem ersten Schock kam die große Recherche.
Künstliche Befruchtung.
Kosten. Anträge. Förderungen. Hormone. Kliniken.
Ich habe mich durch zig Seiten, Formulare und Erfahrungsberichte gequält.

Nebenbei hatten wir auch noch einen Urlaub geplant. Der wurde dann abgespeckt, weil: Prioritäten.
Es fühlte sich an, als hätte jemand den Pause-Knopf in unserem Leben gedrückt – und gleichzeitig lief ein völlig neuer Film ab, in dem ich die Hauptrolle nicht mal wollte.

Fazit? Ich war nicht empfindlich. Ich war krank.

Diese Diagnose hat vieles verändert.
Nicht nur körperlich, sondern auch emotional.
Plötzlich ist man nicht mehr „einfach eine Frau“, sondern „die mit der Endometriose“.
Reduziert auf Zahlen, Durchlässigkeiten und Diagnoseschlüssel.

Was bleibt, ist die Frage: Warum hat mir das niemand früher gesagt?
Warum wird bei massiven Periodenschmerzen immer noch so oft geschwiegen, verharmlost, weggeschaut?


Im nächsten Teil

Erzähle ich dir, wie wir unseren Weg in Richtung Kinderwunschbehandlung gegangen sind – und wie ein einzelner, eigentlich unspektakulärer Tag völlig unerwartet alles verändert hat.

Wenn du selbst betroffen bist, jemanden zum Reden brauchst oder Fragen hast: Schreib mir gerne.


Du bist nicht allein – auch wenn es sich manchmal genau so anfühlt ♥


PS: Teile diesen Beitrag gern mit jemandem, der ihn vielleicht gerade braucht.
Und wenn du magst, folg mir auf Instagram – dort erzähle ich jetzt regelmäßig vom Leben mit Kleinkind, Chaos und Kaffee.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert