Teil 2: Der Moment, der alles ändert – als mir gesagt wurde, dass ich kaum Kinder bekommen kann

zurück

Von Hoffnung, Google-Tabs und dem Gefühl, im falschen Körper zu stecken

Ich erinnere mich noch genau. Ich lag da, noch halb benebelt von der Narkose, als die Ärztin kam.
Sie sagte es ganz ruhig, professionell, fast sachlich:
„Wir haben Endometriose gefunden und entfernt. Aber… Ihre Eileiter sind fast komplett undurchlässig. Ihre Chance, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, liegt bei unter fünf Prozent.“

Fünf Prozent – 5%!

Diese Zahl hat sich eingebrannt. Sie war nicht laut. Sie war nicht dramatisch.
Aber sie hat in mir alles zum Stillstand gebracht.

Ich hatte nie – wirklich nie – gedacht, dass das mal ein Thema für mich sein könnte.
Ich war doch noch jung. Ich hatte meine Periode, regelmäßig sogar.
Wir hatten es zwar schon eine Weile versucht, ja.
Aber ich hatte das alles auf die Endometriose geschoben.
„Die kriegen wir raus, dann klappt das schon.“
So ungefähr mein Gedankengang.

Kein Plan für diesen Moment

Ich hatte keinen Plan B. Ich hatte nicht mal darüber nachgedacht, dass ich je einen brauchen könnte.
Und jetzt? Saß ich da, mit Watte im Kopf, der Narkose im Körper und dieser Zahl im Bauch, die sich anfühlte wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht.

Ich glaube, ich hab gar nicht viel gesagt in dem Moment.
Ich habe einfach genickt. So, wie man nickt, wenn man eigentlich nur noch raus will.
Raus aus dem Gespräch, raus aus dem Krankenhauszimmer, raus aus diesem Körper, der mir gerade das Herz gebrochen hatte.

„Ich hol dich ab, okay?“

Mein Mann wartete unten im Auto. Ich hatte ihm vorher gesagt, dass er mich später abholen kann – ganz locker, ganz pragmatisch.
„Ist nur eine kurze OP, ich meld mich, wenn ich wach bin.“
Klar.

Ich stieg ins Auto, setzte mich auf den Beifahrersitz, sah ihn an und sagte:
„Sie haben Endometriose gefunden. Und… beide Eileiter sind fast undurchlässig.“
Er war kurz still. Sah mich an und sagte nur

„Okay, dann machen wir eben Plan B.“

Ich weiß noch, dass ich versucht habe, zu lächeln. So halb.
Aber ich konnte nicht.
Ich habe aus dem Fenster geschaut und versucht, nicht zu weinen.
Spoiler: Hat nur so mittel geklappt.

Recherchieren statt Verarbeiten

Einen Tag später – ich hatte noch nicht mal die Wundpflaster los – saß ich mit dem Handy auf dem Sofa.
Ich googelte:

  • künstliche Befruchtung
  • IVF
  • Chancen bei verschlossenen Eileitern
  • was zahlt die Kasse
  • wie lange dauert das
  • welche Klinik ist gut

Ich las Erfahrungsberichte. Verglich Behandlungspläne. Stöberte durch Foren.
Und fühlte mich mit jedem Klick ein bisschen kleiner.

Zwischen all den Fachbegriffen und Erfolgschancen ging mein Kopf irgendwann einfach aus.
Ich funktionierte. Ich recherchierte. Ich organisierte.
Aber emotional? Da war nicht mehr viel.
Nur dieses dumpfe Gefühl: Jetzt geht’s erst richtig los.

Kinderwunsch als Projektmanagement

Plötzlich wurde unser Kinderwunsch zum Großprojekt.
Ich hatte Listen und Tabs: Kliniken, Fragen, Kosten.
Ich trug meinen Zyklus in Apps ein, machte Notizen, las über Hormone, Dosierungen, Nebenwirkungen.

Während andere in meinem Umfeld über Babynamen diskutierten,
fragte ich mich, ob es bei uns überhaupt jemals, irgendwie klappen könnte.

Der Urlaub, der anders wurde

Im Juli starteten wir gemeinsam mit unseren Freunden die Reiseplanung.
Nach drei Jahren ohne richtigen Urlaub wollten wir endlich mal wieder raus. Tapetenwechsel. Durchatmen.
Unser Wunschziel: Island.
Natur, Weite, einmal Nordlichter sehen – das stand ganz oben auf der Liste.

Und dann kam die Diagnose.
Die Recherche, die Angst und die schlaflosen Nächte.
Und plötzlich saß das Geld nicht mehr so locker wie in der Planungsphase.

Absagen wollten wir den Urlaub nicht. Ehrlich gesagt: konnten wir nicht.
Die Pause davor war einfach zu lang und eine Auszeit war auch wirklich nötig. Dieser Wunsch die Probleme einfach mal kurz auf Pause zu stellen.
Also haben wir umgeplant. Statt Island wurde es Griechenland – wärmer, günstiger, unkomplizierter.

Ich und mein Körper – wir waren fertig miteinander

Ich und mein Körper – wir waren fertig miteinander

Ich fühlte mich wie eine Versagerin.
Nicht laut. Nicht nach außen. Aber tief drin – dieses dumpfe Gefühl, dass mein Körper etwas nicht kann, was eigentlich selbstverständlich sein sollte.
Dieses eine Ding, das bei anderen einfach passiert, wurde für mich zu einer Aufgabe mit Hindernislauf, Zeitdruck und schlechten Prognosen.

Ich sah Freundinnen, Kolleginnen, Frauen auf Instagram – alle schwanger, alle strahlend, alle scheinbar mühelos.
Und ich?
Ich war plötzlich die mit der Endometriose.
Die mit den schlechten Eileitern.
Die mit dem Zykluskalender, dem Formularordner und der Frage im Kopf: Was stimmt nicht mit mir?

Ich habe mich entfremdet von meinem eigenen Körper.
Als wäre er nicht mehr meiner.
Nicht mehr intuitiv, nicht mehr vertraut, sondern ein verdächtiges System voller Fehlfunktionen.
Ich war wütend auf ihn – und gleichzeitig unendlich traurig.
Weil ich ihn doch so dringend gebraucht hätte.

Und egal wie oft mir jemand sagte:
„Das liegt nicht an dir. Du bist nicht schuld.“
Es fühlte sich trotzdem so an.

Und dann… kam dieser eine Tag im September

Ich verrate noch nicht zu viel.
Aber sagen wir so: Das Leben hatte eigene Pläne.
Und sie kamen genau dann, als ich innerlich schon fast abgeschlossen hatte.


Im nächsten Teil

erzähle ich dir, was an diesem einen Samstag passiert ist,
an dem mein Mann bei seinen Eltern war und wieso er auf meine Nachricht nur sagen konnte:
„Hä… wie das denn?“


📩 Wenn du selbst gerade an diesem Punkt bist – zwischen Hoffnung, Wut und Google-Tabs – dann schreib mir. Ich weiß, wie sich das anfühlt.
Und du musst das nicht allein tragen ♥


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert